Valerie Ox, Marketing Consultant

Chimosa Berlin Valerie Ox
„Ich wünschte, ich könnte vor allem mehr Frauen inspirieren Kampfkunst zu trainieren..“

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Ich habe mit der Kampfkunst vor etwa vier Jahren im Chimosa in Berlin begonnen. Damals habe ich noch in der Mode PR gearbeitet. Yichy, einer der Gründer lud mich auf einem Food-Festival ein bei ihnen Boxen auszuprobieren. Als gebürtige Russin war mein Körper durch und durch mit Ballett vertraut. Boxen war eine völlig neue Art der Bewegung. Die Atmosphäre war aber sehr freundlich und ich kam auf Anhieb gut rein und wusste schnell, dass ich weitermachen und am liebsten gar nicht mehr aufhören wollte.
Ich begann zunächst mit klassischem Boxen, dann mit Kickboxen und Brazilian Jiu Jitsu. Parallel dazu machte ich im Chimosa auch Yoga. Das hat meine Kampfkunst sehr beeinflusst. Man braucht immer eine Balance, eine Harmonie im Leben. Weiches geht nicht ohne Hartes, und so musste auch zur Kampfkunst ein Ausgleich gefunden werden, der den Körper wieder in Einklang bringt und ihn dehnt. Deshalb finde ich auch, dass Kampfkunst und Yoga die perfekte Mischung machen – Yin und Yang quasi.

Früher wollte ich eigentlich Astrophysikerin werden, weil mich der Weltraum schon immer faszinierte. Meine Eltern redeten es mir allerdings aus, denn in der UdSSR war der Beruf des Wissenschaftlers sehr schlecht bezahlt und meine Noten in Mathe und Physik ließen auch zu wünschen übrig. Also studierte ich Modedesign, was im Grunde noch unsicherer war. (lacht)
Ich hatte in der PR völlig den Draht zu mir selbst verloren und nur für die Firmen und Marken gelebt, für die ich gearbeitet habe.
Dank der Kampfkunst habe ich wieder Schritt für Schritt zu mir selbst gefunden. Aber die Reise geht man nicht allein. Der Community-Gedanke wird sehr groß geschrieben. Nur gemeinsam kommt man weiter und erarbeitet sich seine Fertigkeiten durch das Training mit dem Partner und die Interaktion mit anderen. Bruce Lee hat mal gesagt: „To know oneself, is study oneself in action with another person.“
Ich habe in den letzten Jahren wundervolle Menschen kennengelernt – alle auf dem Weg zu einem besseren Ich – und so die Verbindung zu mir selbst entdeckt; verstanden was mich glücklich macht und wovon ich mich besser loslösen sollte.

2015 bekam ich dann ein Stipendium für das London College of Fashion und konnte dort meinen Master in Marketing machen.
Berlin und London sind sehr gegensätzlich. Der Rhythmus in London ist viel schneller – alles ist auf Speed ausgelegt. Ich habe zum Ausgleich noch mehr Sport gemacht und war 4-5 mal die Woche beim Yoga, beim Gewichteheben und habe mein Kampfkunsttraining geformt.
Dort entdeckte ich auch die Liebe zum Thaiboxen.
Es war spannend wieder bei Null zu beginnen, mich ganz auf eine einzige Kampfkunstart zu konzentrieren und umso schöner die Entwicklung zu spüren. Ich kam noch mal einen Schritt weiter. Das fühlte sich verdammt gut an. Mein persönlicher großer Abschluss für London war meine Teilnahme am Charity Boxen eines Freundes, um Gelder für einen Kranken- und Waisenhaus in Kongo zu sammeln. Wir machten sogar den Eröffnungskampf und ich erinnere mich noch gut daran, wie ich, umzingelt von 400 Leuten, dachte „Was um alles in der Welt tust du hier gerade?“. In dem Moment kannst du nicht mehr wegrennen, sondern musst durchziehen, durchhalten. Das Glücksgefühl und das kalte Bier, das ich danach hatte, waren allerdings unbezahlbar.

Ich bin nun seit einigen Wochen wieder zurück in Berlin und taste mich als Freelancer langsam wieder an die Stadt heran. Gerade betreue ich zum Beispiel eine Sportwagenmarke im Marketing. Eine tolle Aufgabe, mit der ich mich durch und durch identifizieren kann, da es mit Sportlern und starken Persönlichkeiten zu tun hat. Im Marketing zu arbeiten bedeutet für mich vor allem, dass man Strategie mit Kreativität vereint, um Marken zu entwickeln und sie zu unterstützen. Es ist auf jeden Fall eine sehr gewünschte intellektuelle Herausforderung für mich.

Meine Ernährung habe ich durch das Training auch umgestellt. In meinem früheren Job hatte ich keine Zeit mir über Essen Gedanken zu machen, oder habe sie mir zumindest nie genommen. Im Vordergrund stand früher immer nur die Arbeit, nicht Essen, Leben. Erst mit dem Sport kam das Bewusstsein für gute und maßgeschneiderte Ernährung. Ich habe verstanden, dass man so seinen Körper bei der Regenerierung unterstützen kann. So halte ich alles in Balance und schaffe weiche Übergänge. Das klingt jetzt mystischer als es ist. Im Grunde esse ich nun einfach leichter, viel Fisch und Gemüse und verzichte völlig auf Fleisch. Eine handvoll Nüsse oder Trockenfrüchte, etwa 30 Minuten nach dem Training, unterstützen den Körper bei einem sanfteren Übergang in den Ruhezustand.

Ich wünschte, ich könnte vor allem mehr Frauen inspirieren Kampfkunst zu trainieren und aus ihrer Comfort Zone rauszukommen, damit sie erleben, was es bewegen kann – physisch und geistig. Mich hat es stärker gemacht, ein bisschen weiser, aber mir vor allem Respekt, Demut und Disziplin beigebracht. Ich habe oft noch mit Vorurteilen zu kämpfen oder dass es sich als Frau nicht gehört zu Boxen (Oh ja, ich schiele hiermit dezent zu meiner eigenen Familie…). Außerdem sind wir Menschen Gewohnheitstiere. Es kann sehr einfach sein, sich in seiner eigenen Blase Tag ein Tag aus in der Welt zu bewegen. Doch nur wer den Schritt wagt, nicht nur über sich selbst mehr zu erfahren, sondern dadurch auch darüber zu reflektieren, wie wir mit anderen Menschen interagieren, wird eine ganz andere Sichtweise auf die Welt entdecken. Quasi die Pillenfrage aus Matrix. Und das sollten wir nicht scheuen.


Valerie Ox: @hellovalerieox

Foto: Powder Paper

 

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